Einleitung

Hauptkategorie: 8-Bitter
Erstellt: 13 November 2011
Zugriffe: 2083

Lieber Leser,

gleich zu Anfang dieser Einleitung möchten wir uns bei Ihnen bedanken, daß Sie dieses Kapitel überhaupt lesen. Hoffentlich blättern Sie nicht jetzt gleich um. Dies wäre kurzsichtig gehandelt, wie die Autoren aus eigener Erfahrung berichten können.

Sicherlich haben Sie wie wir nach dem Kauf Ihres Atari, sofern Sie einen besitzen, zuerst das Gerät ausprobiert, bevor Sie die Bedienungsanleitung gelesen haben. Bei genauerem Studium der mitgelieferten Dokumentation werden Sie dann sicherlich auch festgestellt haben, daß die interessantesten Angaben fehlen.

Dies ist in der Computerbranche leider üblich. Zudem gibt es über das Atari-System eine Reihe von Einzelpublikationen, die jeweils nur ein Spezialgebiet ohne Betrachtung anderer und oft auch unvollständig oder gar falsch erfassen. Bitte denken Sie nicht, daß wir für unser Buch Vollständigkeit oder gar Fehlerfreiheit beanspruchen; wir versuchen lediglich, ein Buch zu schreiben, das möglichst umfassend die Atari - Hardware und das Betriebssystem erläutert und allein schon dadurch die vielfältigen Möglichkeiten des Atari aufzeigt. Zudem werden wir an Stellen, die uns problematisch erscheinen, Beispiele einfügen.

Dieses Buch ist also besonders für den gedacht, der das Prinzip des Computers und das Basic bereits ausreichend beherrscht, vielleicht auch schon weiß, was hexadezimale Zahlen sind. Im nächsten Kapitel erklären wir auch noch kurz den Umgang mit dem uns normalerweise leider fremden Zahlensystem.

Wenn man ein Buch über Computer schreibt oder auch einfach nur über sie spricht, so stellt sich immer die Frage nach der Wortwahl. Da in der gesamten Informatik Englisch Fachsprache ist, sind praktisch alle Fachausdrücke ebenfalls Englisch. Man muß sich also darüber klar werden, welche Ausdrücke man eindeutscht und für welche man den englischen Ausdruck beibehält.

Bereits in der Branche akzeptierte Fachausdrücke sollte man unbehandelt lassen, allerdings nur, sofern es nicht bereits einen ebenso akzeptierten deutschen Ausdruck dafür gibt. Dies sichert nach einiger Eingewöhnungszeit leichtere Verständigung mit anderen. Bei der Übersetzung oder beim "Eindeutschen" sollte man darauf achten, wenigstens "richtiges" Deutsch zu benutzen. Wer von "editieren" redet, weiß nicht, daß die Übersetzung schon in Form von "edieren" vorhanden ist. Ungläubige mögen den Duden zu Rate ziehen.

Weiter ist unbedingt zu beachten, daß keine sogenannten "Sekretärinnenübersetzungen" entstehen. Zum Beispiel ist es unsinnig und sogar falsch, den Ausdruck "Symbol table" in "Zeichentisch" zu übersetzen, richtig wäre "Symboltabelle". Allgemein sollte man immer versuchen, ein gesundes Mittelmaß zu finden. So ist es unsinnig, den Fachausdruck "Editor" korrekt in "Textbearbeiter" zu übersetzen. Wer jedoch bei Leitungen von "Lines" spricht, täuscht im allgemeinen Fachwissen vor und sollte weiter nur versuchen, Gäste von Stehparties zu beeindrucken und sich nicht wundern, wenn ihn wirkliche Fachleute belächeln.

Vielleicht kann man aber auch durch eine günstig gewählte Übersetzung das englischsprachige Original an Klarheit übertreffen. Wir werden zum Beispiel statt des in Deutschland durchaus üblichen Ausdrucks "Display-List" den Begriff "ANTIC-Programm" verwenden.

Ein weiteres Problem ergibt sich bei der Verwendung der Artikel bei englisch belassenen Ausdrücken. Soll man den Artikel übersetzen? Wir glauben, daß es dafür keine allgemeingültige Regel gibt. Allerdings hat sich für die meisten Wörter eine Form besonders durch den Univeritätsbetrieb eingebürgert. Wir versuchen, diese, soweit sie uns bekannt ist, zu verwenden.

In der Öffentlichkeit hat Ataris Ruf leider etwas gelitten. Dies liegt vor allem daran, daß Atari eine Zeitlang durch konsequentes Nichteinhalten jeglicher Liefertermine glänzte. Durch die in dieser Zeit sehr hohen Verkaufszahlen der Konkurrenz, im Speziellen Commodore C-64, erhielten die Atari-Geräte den Ruf, auch technisch grundsätzlich schlechter zu sein.

Wir meinen dagegen, mit der Ansicht, beide Geräte auf eine Stufe zu stellen, der Wahrheit wesentlich näher zu kommen. Natürlich könnte man anführen, daß der C-64 eine wesentlich einfachere Sprite-Verarbeitung hat, das heißt, daß sich sehr leicht bewegliche Spielfiguren darstellen und verarbeiten lassen. Für den versierten Atari-Programmierer bieten sich dagegen mit der Player-Missile-Grafik zwar nicht so leicht zu programmierende, aber wesentlich effektvollere Bildaufbauten. Mit entsprechenden Tricks lassen sich auch erheblich mehr Objekte, als "in der Grundausstattung" vorhanden, darstellen.

Den größten Leistungsvorsprung findet man beim Atari im ANTIC-Baustein. Dieser Baustein stellt einen zweiten Prozessor dar, der auch über einen eigenen Maschinencode verfügt. Die einzelnen Befehle des ANTIC erzeugen bei ihrer Ausführung jeweils Teile des Gesamtbildes. Dabei ist es möglich, verschiedene Grafikbetriebsarten, sogenannte Grafikmodes, auf einem Bild frei zu kombinieren. Zum Beispiel kann man diverse Textdarstellungen mit unterschiedlich hoch auflösenden Blockgrafikmodes auf einem Bild kombinieren. Dieses Konzept findet man auch bei erheblich teureren Systemen nur sehr selten.

Die Tonerzeugung auf den vier grundsätzlich unabhängigen Tonkanälen ist ebenfalls sehr sauber entwickelt. Sie kann sich nach unserer Meinung mit allen anderen auf dem Homecomputermarkt befindlichen Systemen messen.

Das Basic ist aufgrund seiner eingeschränkten Größe in der Verarbeitung von Strings (Zeichenketten) unglücklich und gewöhnungsbedürftig, liefert aber gerade für den Einsteiger vielfältige Möglichkeiten durch zahlreiche schnelle Grafikund Tonbefehle. Es ist grundsätzlich leider nicht üblich, mit dem bereits eingebauten Basic die Hardware so leicht und effizient auszunutzen, wie es erfreulicherweise bei Atari der Fall ist. Gerade für den Anfänger ist es angenehm, wenn er häufig benötigte Befehle nicht erst in teuer zu erstehenden oder illegal (schwarz) zu kopierenden Erweiterungen findet.

Dieses Buch soll sowohl "durchlesbares" Lehrbuch als auch Nachschlagewerk sein. Wir haben daher sowohl ein Register der verwendeten LABELS, als auch ein INHALTSREGISTER im Buch aufgenommen. Dabei haben wir beide alphabetisch geordnet. Das Labelregister verweist auf die hexadezimalen Adressen, die das jeweilige Label repräsentiert. Das Kapitel über das Betriebssystem ist grundsätzlich nach Adressen geordnet. Das Inhaltsregister verweist dagegen auf Seitenzahlen.

Hexadezimale Zahlenwerte werden wir immer durch ein vorangestelltes "$"-Zeichen kennzeichnen. Binäre Werte erhalten an Stellen, die Unklarheiten mit sich bringen können, ein vorangestelltes "%"-Zeichen.