Das Logbuch zum Projekt der Reanimation unserer schönen Panasonic JD-740U

Hauptkategorie: 8-Bitter
Erstellt: 23 Oktober 2011
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Warum diese Seite?

Vor kurzem entschlossen sich Marc und ich, eine alte Kiste wieder zum Laufen zu bringen.

Da sich dieses Vorhaben nun leider bereits einige Wochen hinzieht, der Hersteller und andere Firmen ratlos sind und nur private Initiative weitergeholfen hat, habe ich mich entschlossen, den Verlauf des Projekts etwas zu dokumentieren. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen 8-Bit-Nostalgiker bei seinem eigenen Reanimationsprojjekt.

Die Maschine

Seit gut 20 Jahren steht meine gute, alte Panasonic CP/M-Kiste unten im Keller.

Nachdem ich sie 1981 in Berlin gekauft habe, hat sie mir 10 Jahre lang gute Dienste geleistet: Als Entwicklungsrechner (Basic, ASM) und als Schreibmaschine. Insgesamt sind auf der Kiste

  • eine Studienarbeit
  • zwei Diplomarbeiten (beides nicht meine, die habe ich auf einer Unix-Kiste mit nroff/troff und tbl gehackt)
  • und drei Bücher (das Atari-Buch, die CPU-Bücher über 8086-80286 und über 68000-68020)

entstanden.

Nach meinem Umzug nach Idstein stand sie dann nur noch im Keller. Jetzt drängelte Marc, so was sei cool und er wolle an der Kiste rumhacken. Also entstand dieses Projekt.

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Erstellt: 23 Oktober 2011
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Das Teil ist ganz schön schwer, wenn ich mich recht erinnere, gute 30 kg. Aber trotdem: Schnell aus dem Keller geholt und angesteckt. Hey, da ist ja sogar noch eine (Boot-) Diskette drin. Sicherheitshalber lassen wir erst mal das Diskettenlaufwerk auf.

Dann: Strom an. Das übliche Aufblitzen der beiden Disketten-LEDs erscheint, dann ist Ruhe. Kein Huiii-KrrKrr der Laufwerke, kein Brummm des Lüfters - nix.

Das kann ja nur die Sicherung sein. Also schnell aufschrauben - kaputt. 2,5A träge habe ich gerade nicht im Schrank, aber vielleicht helfen ja auch 6A träge...

Ja, sie helfen bedingt: Das Licht im Raum wird etwas dunkler, leichtes Trafo-Brummen, gerade mal der Lüfter tut was .

Also schnell wieder ausschalten und erst mal die Kiste aufschrauben (vielleicht kann man ja was sehen); aber das ist wie bei einem defekten Automotor: Da schaut man auch hinein und sieht: Nichts. Wir können abziehen vom Netzteil, was wir wollen, der Kurzschluss bleibt. Zum Glück fetzt die 6A-Sicherung nicht jedesmal weg ;-).

Also bleibt nur: Das Netzteil selbst ist defekt.

Wieder in den Keller: Wo, verdammt noch mal, war die Doku? In der Kiste, in der die meiste Panasonic-Doku zu finden ist, liegt leider kein Service-Manual. Nachfragen bei Panasonic, Schaltplan.de und diversen Händlern bringt in den nächsten Wochen gar nichts. Erst meine Suchmeldung in einem 8-Bit-Forum brachte Erfolg: Georg, ein netter 8-Bitter, hatte eine sehr ähnliche Maschine und stellte deren Doku Marc und mir zur Verfügung.

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Erstellt: 23 Oktober 2011
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Einige Wochen stand die JD nun bei Marc in der Ecke und wartete auf ihre Reparatur. Endlich ist mal wieder Wochenende, die Doku habe ich in der Hand, Marc und ich haben Zeit und Robert schaut auch mal vorbei.

Das Netzteil der Maschine ist dreigeteilt: +5V, +12V und -12V sind angesagt - völlig gewöhnlich für die Rechner der damaligen Zeit. Ungewöhnlich ist der Strombedarf: +5V mit 5A, die +12V sollen 3,3A liefern. Dafür hat Panasonic damals schon Schalt-Netzteilfunktion eingebaut (allerdings sekundär geschaltet). Nur die -12V sollen lediglich 0,1A liefern und wurden mit einem "normalen" Längsregler 7912 bestückt.

Und die -12V funzen, wenigstens etwas. Auch die Sekundärspannungen des Trafos sehen gut aus, wenn man das Netzteil abkoppelt. Na, hoffentlich sind die beiden Schalt-ICs nicht defekt, die würde es heute wahrscheinlich gar nicht mehr als Ersatzteil geben.

Aber meistens sind ja die Elkos das erste, das kaputt geht: Jep: Es befinden sich laut Schaltplan 3 Elkos zwischen Trafo und Regelung. Der dickste direkt hinter der Gleichrichtung, die beiden anderen direkt vor den Chips zur Regelung. Elko Nummer eins ausgelötet, an ein Billignetzteil angeschlossen (6V/0,4A von irgend einem Altgerät): 0V → Super, Treffer, das Ding ist hinüber.

Also kurz das Netzteil angeschaltet, jetzt darf es ja (zumindest ohne Last) wieder laufen, denn der defekte Elko liegt auf dem Tisch: Frust, denn es kommt immer noch nix .

Reparatur am offenen Herzen
Also machen wir uns auf die Suche nach den beiden anderen Elkos, die vor der Steuerung liegen. Jetzt erkennen wir die Unterschiede zwischen der Doku (JD-700M) und der Realität (JD-740U): Die Bestückungspläne und auch der Schaltplan sind nicht direkt in Übereinstimmung. Aber immerhin so ähnlich, dass wir locker weitermachen können.

Den +12V-Zweig konnten wir inzwischen ausschließen, denn die Verbindung zwischen Gleichrichter und 12V-Teil wird durch zwei dicke Leitungen hergestellt, und die sind jetzt ausgelötet: Erst mal Konzentration auf die +5V. Notfalls finden wir ein +12V/40W-NT als Billigheimer auf dem Markt.

Nach drei weiteren, mühsam ausgelöteten Elkos (die alle OK waren), bleiben nur zwei Möglichkeiten:

  1. der Chip für die +5V-Regelung ist defekt
  2. Der Gleichrichter ist hin

Warum kann das sein? Die -12V haben einen eigenen GR vor derm 7912, nur die beiden defekten Spannungsteile laufen über denselben GR. Also entlöten wir vorsichtig den Postiv-Ausgang des GR und schalten das Netzteil ein: Bingo, Kurzer!

Das zerpflückte Netzteil
Jetzt beginnt die große Bastelei, denn Panasonic hat zumindest die Mechanik für die Ewigkeit gebaut: Alle Regler und der GR sind am Kühlkörper befestigt, das "große Schrauben" geht los.

Im Bild links seht Ihr rechts oben den Kühlkörper. Die vier weißen Stellen sind die Leitpaste für die beiden Regler, den GR und einen Leistungtransistor.Gleichrichter und Elko sind defekt

Nachdem wir den GR komplett ausgebaut haben, schließen wir unser Testnetzteil statt des GR an die ungeregelten +/- Eingänge an  - und siehe da, ziemlich genau +5V wo sie hingehören.

Nachdem Marc die Verbindung der 12V-Regelung an den GR-Ausgang wieder angelötet hat, kommen auch da ca. 6V heraus. Naja, zaubern kann das Netzteil offensichtlich noch nicht.

Hier sind sie, die beiden Übertäter:

Schnell die Teile bestellt (und noch ein paar Messleitungen, das Zeug von Marc ist reichlich kaput und mein Analog-Messgerät musste ich vor ein paar Jahren leider entsorgen) und schon dürfen wir wieder etwas warten...

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Erstellt: 23 Oktober 2011
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Schon ist wieder eine Woche vergangen. Die Ersatzteile liegen schon ein paar Tage herum, aber neben dem Projekt muss ich halt auch noch ein wenig arbeiten und Marc hatte auch gut mit seinem Physik-Leistungskurs zu tun...

Naja, die Teile sehen schon beide etwas anders aus, als die Originale. Der Gleichrichter ist leicht überdimensioniert ausgefallen und der Elko hat zwar denselben Durchmesser, ist aber ein Stück höher als der defekte. Schau'n mer mal, wie wir das dann in die Kiste einlöten.

 Der Elko passt - auch wenn er zu  hoch ist, das dürfte nachher schon ins Gehäuse reinpassen. Notfalls überlegen wir uns dazu noch was. Aber er ist erst mal drin.

Der Gleichrichter macht etwas mehr Probleme. Nach kurzem Anhalten ist der Weg klar: Die beiden Wechselspannungsleitungen werden an flexible Leitungen angelötet und kurz dahinter abgeknipst. Dann biegen wir noch vorsichtig einen der beiden Gleichspannungsdrähte um - und schon passt es. Um die Passgenauigkeit noch etwas zu erhöhen, gehen wir erst mechanisch, dann elektrisch an die Sache heran:

Der Anschluss des GR erfolgt über die beiden weißen Leitungen
Wir reinigen alle Bauteile, die wieder am Kühlkörper festgeschraubt werden müssen mit Waschbenzin und packen wieder ordentlich Wärmeleitpaste drauf - auch auf den noch nicht festgelöteten Gleichrichter, dessen zwei verbliebene Beinchen aber schon lose in der Platine stecken. Dann schrauben wir gemeinsam die Teile am Kühlkörper fest und ihn selbst an der Platine wie vorgesehen an.

Dann erst löten wir die Gleichspannungsbeinchen des GR fest. Wir haben die Erwartung, dass dadurch trotz der anderen Bauform eine möglichst gute Kopplung an den Kühlkörper besteht, aber ohne mechanische Spannungen zur Platine.

So - jetzt heißt es einschalten, zunächst mal ohne Last.

Whamm!

Ein Knall, ein Blitz - schnell wieder aus!

Es stinkt mal wieder nach Elektrolyt. Offensichtlich ist der nächste Elko hops gegangen. Haben wir bei den Versuchen am 2. Tag vielleicht einen getesteten Kandidaten falsch herum eingelötet?

Nach kurzer Suche ist einer als etwas gewölbt identifiziert und wird ausgelötet. Hmmm: Er liegt in der -12V Versorgung, die letzte Woche noch prima gefunzt hat.

Aber egal, der ist jetzt hin und stört nicht mehr. Ohne Last lassen wir das Netzteil wieder ans Netz gehen: Sieht gut aus, nichts stinkt, nichts kracht, nichts blitzt. Und die drei Versorgungsspannungen kommen auch an den richtigen Steckern raus. Super!

Also schließen wir zunächst mal eins der Floppy-Laufwerke an. Der Motor brummt los (warum eigentlich? Wir werden es bald wissen.), das sieht gut aus.

Dann:

PffffEs stinkt wieder und man sieht es qualmen: Was ist denn nun schon wieder? Auf der Netzteilplatine bildet sich unter einem weiteren (kleinen) Elko eine Elektrolyt-Pfütze. Also auch den noch auslöten, irgendwann sind sie dann ja wohl eh alle hin.

Aber wir lassen uns nicht abschrecken: NT wieder ohne Last an: Nix stinkt. Floppy dran: Yep, Motor läuft wieder an, alle Spannungen zumindest laut digitalem Messgerät sind OK. Na gut, dann etwas mehr Last: Das zweite Laufwerk wird angestöpselt. Panasonic hat dazu schon damals separate (und unterschiedlich lange) Versorgungsleitungen eingebaut.

Leichte Schrecksekunde: Es Kracht zwar nichts, es stinkt auch nicht mehr als vorher, aber der Motor des ersten Laufwerks sagt nichts mehr. Nach dezentem Rütteln an den Steckverbindungen geht er mal an, dann wieder aus. So langsam kommt mir eine Erinnerung: Die JD hatte damals eine geniale Hardware eingebaut bekommen, bei der der Diskettenmotor eine kurze Zeit lief, wenn man eine Diskette eingeworfen hat. Für Marcs Frage, wozu das denn diene, kann ich auch noch eine Antwort aus dem Gedächtnis kramen: Diskettenlaufwerke haben einen kegelförmigen Antrieb der Disketten, der in das "große" Loch der Diskette passen muss. Und das passt eben doch manchmal nicht so gut. Deshalb schmeisst ein gutes Laufwerk den Motor an, wenn man eine Diskette einwirft. Schließt man dann langsam das Laufwerk, wird durch den sich drehenden Antrieb die Diskette zentriert. Deshalb hieß das damals auch Zentrierlauf (oder so ähnlich).

Netzteil versorgt die beiden Laufwerke
Na und das war auch das ganze Geheimnis, denn die obere Diskette drückte eben manchmal den entsprchenden Kontakt.

Also gut, dann können wir ja leichte Last aufs Netzteil legen, indem wir immer wieder mal eine Diskette in jedem Laufwerk rein- und rausschieben (Frage von Marc: Sind das jetzt echte Floppies? Ja, sind sie. Und sie heißen Fünfeinviertelzöller. Aber dass sie soft-sektoriert sind und was das mit dem "kleinen" Loch in der Diskette zu tun hat, erkläre ich ihm ein anderes mal...).

Nach weiteren 10 Minuten gehen wir in die nächste Denkrunde: Können wir es wagen, das Mainboard anzuschließen? Die beiden Versorgungen mit aktuell defekten Elkos sind die +12V und die -12V. Die +12V sehen bei den Laufwerken ganz stabil aus (kurzzeitige Spitzen kann ich natürlich ohne Oszilloskop nicht erkennen), aber die -12V dürften unter Last schwingen. Meine Annahme, dass die -12V nur für die seriellen Schnittstellen benötigt werden, wird durch einen Blick in den Schaltplan zunichte gemacht. Leider werden die -12V noch mal runtergeregelt und werden von den dynamischen Speicherbausteinen verwendet. Und wenn die nicht ordentlich sind, spinnt der ganze Rechner, das weiß ich aus alten Tagen noch sehr gut.

Also ist erst mal wieder Warten auf einen geöffneten Elektronik-Shop angesagt.

Die beiden Elkos habe ich mir noch mal in Ruhe angesehen, da fällt mir etwas auf: Alle drei bisher defekten Elkos sind aus der Serie bis 50V - die Serie für kleinere Spannungen scheint wohl eher durchzuhalten. Das ist zwar keine Erklärung, gibt aber eine leichte Beruhigung, dass bei der nächsten Runde nicht wieder welche hochgehen.

Warten wir's ab...

Hauptkategorie: 8-Bitter
Erstellt: 23 Oktober 2011
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So, in dieser Woche fällt die Entscheidung: Entweder wir bekommen das Netzteil jetzt zum Laufen, oder im Ebay wird ein gebrauchtes Teil beschafft. Meine Erfahrung hat mich aber folgendes gelehrt: Wenn ich genügend Ersatzteile vorrätig habe, spürt die Hardware, dass es gar keinen Sinn hat kaputtzugehen und bleibt deshalb heile. Woher die Hardware das weiß, habe ich leider nie in Erfahrung bringen können.

Aber mit dem Ansatz gehe ich einkaufen: Jeweils 1-2 Kondensatoren mehr, als ich wirklich brauche. Und einen 4.700µF Kondensator braucht man ja sowieso immer mal wieder...

Nebenbei ist auch eine neue Entlötpumpe für unter 4€ fällig, denn die alte verstopft jetzt seit 30 Jahren, und irgendwann ist mal gut.

Das treibt die Investition auf inzwischen lockere 50€, aber der Messleitungssatz und die Entlötpumpe (Σ20€) dürfen sich gerne in weiteren Projekten dieser Art amortisieren, und für das Porto für die erste Lieferung kann ich ja schließlich auch nichts.

Das Übersichtsbild

Genug der Ausreden.

Die Teile werden bei einem Besuch eines recht bekannten Elektronik-Shops (dem mit dem Großen C) in Mainz erledigt. Da ich jetzt immerhin schlapp 25 Jahre nicht mehr in solchen Läden war, fällt mir so manches auf: Das Einkaufen von Einzelteilen ging früher schon nicht besonders flott, aber durch Einsatz modernster IT-Infrastruktur kann man den Prozess erheblich verlangsamen. Aber dazu schreib ich vielleicht später mal eine andere Seite.

Samstag

Jetzt geht das große Basteln wieder los. Nachdem mir die Kollegen am Freitag in der Firma viel Erfolg für das Projekt gewünscht haben und genug Ersatzteile herumliegen, muss das ja jetzt gehen.

Die beiden fehlenden Elkos sind schnell eingelötet. Außerdem hatte ich anfangs die Gerätesicherung im ersten Antritt gegen eine viel zu hohe ausgetauscht (6,3A gegen 2,5A), das macht Marc wieder mit einer neuen Sicherung rückgängig.

Aufgrund der Erfahrung insbesondere vom dritten Tag könnte es theoretisch jetzt wieder an irgend einer Stelle des Netzteils qualmen oder blitzen. Um besser nachvollziehen zu können, an welcher Stelle es nun wieder kracht, kommt Roberts Kamera in Verbindung mit einem alten Stativ meines Opas zum Einsatz: Alles wird dokumentiert.

Strom an - und? Seht selbst unten!

Bei der Beobachtung ergeben sich ein paar Diskussionen um Disketten. Wer wissen will, wo der Unterschied zwischen soft- und hardsektorierten Disketten ist und was Anette zu dem ganzen Thema meint, darf gerne bis zum Ende zuhören.

Ohne Last bzw. mit Anschluss der beiden Diskettenlaufwerke verhält sich das Netzteil erst mal so, wie es soll.

Anette schaut auch mal rein - eigentlich hollt sie nur was aus dem Keller, kann sich einen Kommentar zu uns beiden aber nicht verkneifen.

Lasttest

In der Firma frage ich manchmal nach Lasttests und warum sie nicht gemacht würden. Also will ich hier mal mit gutem Beispiel voranschreiten und überzeuge Marc, dass wir erst mal dem Netzteil ein wenig Strom entlocken müssen und dabei nachmessen, ob die Versorgungsspannungen einknicken.

Nach kurzer Diskussion steht fest, dass wir sowohl die -12V testen wollen (max 0,1A) als auch die +5V (die mit 5,3A angegeben sind, aber wir meinen, 1A würde auch erst mal reichen. Wenn sich dann noch ein Elko verabschieden möchte, darf er es gerne dabei tun oder für immer funzen).

Jetzt geht die Rechnerei los, erst mal für die -12V: Bei 0,1A (Marc weiß  noch: R = U / I; da soll mal einer sagen, man würde in der Schule nichts für's Leben lernen!) heißt das 12Ω. Was er vergisst, ist die andere Formel: P = U * I, also die Leistung, die der Widerstand abfackeln muss. Aber der Papa denkt dran...

Da ich mal eine Kleinserienfertigung von RAM-Karten hatte, habe ich noch ein recht gut sortiertes Widerstandssortiment. Aber wer hat schon 12Ω mit 1,2W im Schrank? Ich jedenfalls nicht. Also muss Herr Kirchhoff herhalten, der sich vor längerer Zeit Gedanken gemacht hat, wie sich der Gesamtwiderstand bei Serien- oder Parallelschaltung von Widerständen berechnen läßt. Hier brauchen wir das 1. Kirchhoff'sche Gesetz der Parallelschaltung: 1 / Rges = Σ (1 / Ri).

Hmmm. Wir wollen nicht an die Maximalgrenze von 0,1A herangehen und wir haben eine Menge an 470Ω-Widerständen. Wenn wir 3 parallel schalten, bekommen wir 157Ω Gesamtwiderstand. Das ergibt einen Strom von 76mA, also 3/4 der Maximallast. Wieder eine clevere Frage von Marc, die zum Nachdenken anregt: Warum drucken die eigentlich nicht den Widerstandswert in Zahlen auf, sondern in Farb-codierten Ringen? Ähhh... Schnelle Ausrede: Was machen die Chinesen mit unseren Zahlen? Was ich nicht beantworten kann ist, warum der schwarze Ring inzwischen braun ist...

Es stimmt wirklich, Widerstände wurden schon damals "am Meter" verkauft, denn diese "Batterien" konnte man damals schon super in Bestückungsautomaten einspannen. Wie man sowas zusammenlötet, könnt Ihr hier bewundern:

OK, angeschlossen. Die -12V zucken nicht mal, der Strom fließt auch wie vorher ausgerechnet.

Also machen wir uns an die +5V. Zunächst mal rechnen: Wir wollen so ca. 1A (also etwa 1/5 der Maximallast) aus dem NT herauskitzeln. Wenn das geht, geht auch mehr.

5V bei 1A sind 5Ω. Aber 5V * 1A sind leider auch 5W. Naja, wo es eine Menge 470-Öhmer gibt, schlummern auch noch 100Ω-Meter herum. Yep, da sind sie. Aber 20 Widerstände zusammenlöten? Das dauert. Aber da läßt sich doch was tricksen, oder? Na klar: Wir machen uns einen "5Ω-Bonbon":

Der 5Ohm-Bonbon - schnell getricks

Marc staunt: Nicht unbedingt schön, aber hoch funktional. Da löten wir noch zwei Leitungen an und verstöpseln sie mit dem 5V-Anschluss. Oops, am R-Bonbon liegen nur 4,8V an! Nach kurzer Zeit wissen wir, dass ca. 0,8A durchfließen. Macht unser NT jetzt schon schlapp? Wir schauen uns an, dann keimt ein Verdacht auf: Was, wenn unsere Leitungen von und zum Bonbon ein wenig zu dünn sind? Also schnell direkt am NT nachgemessen, da liegen ordentliche 5V. OK, Verdacht bestätigt sich. Versehentlich komme ich an die Widerstände - autsch! 5W können auf so engem Raum ganz schön warm werden. Aber egal, der Bonbon hat seinen Dienst getan. Den 100Ω-Beschriftungen traue ich nach der Radikalkur eh nicht mehr, ab in die ewigen Jagdgründe damit.

So, jetzt wird es richtig spannend: Wir können nichts mehr testen, außer der Realität. Nach Test schnell - hops - in Produktion, das ist ja wie in der Firma...

Zunächst mal bauen wir die Kamera um. Dass das Netzteil jetzt noch hoch geht, halten wir für unwahrscheinlich. Das Motherboard ist mit den Chips nach unten unter dem Rechner eingebaut, das können wir nicht filmen. Und wenn da was hoch geht, dürfte es sich nur um einen Tantal-Elko handeln (das sind die niedlichen kleinen blauen Erbsen), und wenn die Dinger kaputt gehen, hört, riecht und sieht man das.

Die nächste Frage von Marc kommt auf: Hieß das damals schon Motherboard?

Urgks, mal wieder eine gute Frage. Naja, ich glaube nicht. Aber wie hieß das damals? Irgendwie so ähnlich. Aber halt, wir haben ja die Doku von Georg. Da finden wir: PCB = Processor Control Board. Auf dem Weg zum Mittagessen (deshalb war Anette vorhin noch mal kurz bei uns!) erkläre ich Marc, dass PCB heute eigentlich Process Control Block heißt und im Betriebssystem zur Verwaltung der verschiedenen Prozesse dient. Aber dieses Problem hatte CP/M damals noch nicht, das kam erst mit MP/M auf.

Hauptkategorie: 8-Bitter
Erstellt: 23 Oktober 2011
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Zurück vom Mittag dreht Marc die Panasonic um 90 Grad, damit wir alle Anschlüssen gut an den Rechner heranbringen und stöpseln das Netzteil komplett an. Netterweise sind alle Anschlüsse verpolungssicher ausgelegt, das war damals auch noch keine Selbstverständlichkeit. Die Kiste ist wohl wirklich für die Ewigkeit gebaut, nur schade, dass sich Panasonic nicht mehr daran erinnern kann.

Wir stellen die Kamera so auf, dass sie die Platinen der Laufwerke und vor allem der Monitoransteuerung gut drauf bekommt. Ich hatte Marc schon gebeichtet, wenn da was kaputt geht, muss ich einen Kollegen hinzuziehen, denn von Analogtechnik lasse ich die Finger - insbesondere von den verdammt hohen Spannungen an Monitoren. Dann kommt die alles entscheidende Frage seitens Marcs: Was kann denn daran eigentlich kaputt gehen? Kann das implodieren?


An meinem ratlosen Gestammel zum Thema "Ist das jetzt der Zeilentrafo oder die Hochspannungseinrichtung?" kann man gut erkennen: Da bin ich nicht der Profi. Aber man muss ja nicht alles können...

So, nun wird es wirklich ernst: Strom an und gucken.

Puhh, geschafft! Das ist ja mal ein Ding! Das Teil funktioniert und die Diskette, die sich seit 1994 im Laufwerk befindet, war sogar eine (unbeschriftete, hüstel-hüstel) Boot-Diskette! Woher ich weiß, dass die Diskette seit 1994 im Laufwerk ist? Schaut, wie es weiter geht!

Jetzt gehen die Diskussionen erst richtig los: Was macht Form40? Warum 40 und nicht 35 Tracks? Wir finden eine Datei, die 1993.CAL heißt. Das ist eine SuperCALc-Datei, also ein Spreadsheet - ein Excel für arme. COM und EXE - wie stehen die im Zusammenhang? Und warum sitzen Informatiker immer gerne im Dunkeln?

Hauptkategorie: 8-Bitter
Erstellt: 23 Oktober 2011
Zugriffe: 1658

Jetzt gibt es erst mal Diskussionen um SuperCalc. Wir sehen uns die Datei 1993.CAL genauer an. Es stellen sich mal wieder eine Reihe von Fragen:

  • Wie verdammt noch mal bedient man das SC?
  • Warum flackert der Bildschirm bei SC?
  • Lief QNX jetzt auf 8085 oder 8086? Erst später fällt mir ein, das war wohl ein 8088.
  • Warum höre ich nicht auf Marc, der längst erkannt hat, was ich für einen Fehler im Beispiel-SC gemacht habe?
  • Wer oder was ist Pömpel?
  • Konnte SC damals schon summieren?

Und wie oft habe ich eigentlich die DEL-Taste schon benutzt?

Das Video ist etwas länger (ca. 8 Minuten). Leider explodiert nichts mehr, deshalb einfach nur zuhören... .

Direkt im Anschluss geht es weiter - nach SuperCalc ist jetzt WordStar dran. Wir finden ein altes Protokoll von einer Abteilungsklausur von 1994 und selbst ich habe leichte Probleme, mit der Menüstruktur von WS klar zu kommen.

Dann noch eine letzte Prüfung, uiiii, das Netzteil wird ja wirklich ganz schön warm. Da fehlt dem Kühlkörper die Verbindung zum Gehäuse, um die Wärme abzuleiten. Das läßt sich ändern, in einem letzten Schritt schrauben wir das Netzteil und die restliche Maschine wieder zusammen.

Hauptkategorie: 8-Bitter
Erstellt: 23 Oktober 2011
Zugriffe: 1581

Wozu man ein Rechnergehäuse sonst noch so verwenden kann und welches Problem beim Zusammenschrauben nun wieder auftaucht - seht selbst!

Tja, Marcs bislang letzte Frage, was denn Bill Gates eigentlich überhaupt erfunden hätte, wird in unserem Haus wohl ewig unbeantwortet blieben...

Jetzt läuft sie ja erst mal...

Dann ging das große Sortieren los: Wo haben wir lesbare Disketten, wo haben wir uralte PC-Disketten, die wir definitiv nicht mehr brauchen und wiederverwenden können usw.

Spannend finde ich, dass wir kaum Lesefehler auf den Medien haben; ab und zu mal ein bad sector, aber spätestens beim dritten Lesen wird er geschluckt. Da erkläre ich Marc, dass das eigentlich gar nicht sein könne. Ich habe damals gelernt, dass die voraussichtliche Halbwertzeit der magnetisierten Domänen auf einer Diskette 1,5 Jahre ist. Da die meisten Medien 30 Jahre als sind, ist bereits 15 mal die Halbwertzeit abgelaufen. 215 = 32768, wir haben also angeblich nur noch 1/32768 der Lesbarkeit der Medien. Und dafür funktionieren sie super.

Aber gut, bei solchen Langzeitaussagen haben sich schon viele verschätzt - 5 Computer auf der ganzen Welt war mal die ursprüngliche Schätzung des IBM-Chefs. War auch etwas daneben.

So, liebe Leut'

Das war's erst mal von der Hardware-Front. Morgen werden wir mal probieren, eine der drei seriellen JD-Schnittstelle an einen USB/RS232-Adapter für Marcs Notebook anzuhängen, da ist auch mal wieder Lötkolbenschwingen angesagt.

Wenn es wieder was Spannendes von der JD-Front gibt, werde ich es hier eintragen.

Macht's gut, Nachbarn!

Hauptkategorie: 8-Bitter
Erstellt: 23 Oktober 2011
Zugriffe: 1592

Heute habe ich mit Robert (Marc wollte lieber sein neues Rollenspiel daddeln) ein ordentliches Nullmodem gebaut.

Wir mussten die 25-poligen Anschlüsse der Panasonic mit der 9-poligen D-SUB Buchse an MArcs Notebook verbinden. Wer dazu INformationen benötigt, findet sie in der Wikipedia. Zu den Signalen und dem eingentlichen Zweck eines Nullmodems findet Ihr dort auch wertvolle Informationen.

Nachdem wir die Hardware im Griff hatten (wer hat schon siebenadrige Leitungen herumzuliegen? Ich nicht, aber ich hatte ein zu langes 4-adriges Kabel. Das haben wir eben halbiert und hatten damit 8 Leitungen...), brauchten wir noch ein Terminalprogramm, mit dem wir die benötigten Daten von der Panasonic auf das Notebook übertragen konnten.

Dazu haben wir einige ausprobiert: Die meisten setzten zwar die Übertragungsgeschwindigkeit, aber nicht die Wortbreite, Parität und Stopbits korrekt. Aber wir haben eines gefunden, das unsere Zwecke erst einmal zu erfüllen schien.

Nach eingien Einstellungen hatten wir einen reibungslosen Datentransfer - nur leider ließen sich die Daten dann nciht ordentlich abspeichern. Es wurden zwar alle Zeichen erkannt und abgelegt und auch auf dem Bildschirm die CRs und LFs dargestellt, aber leider nicht mit in der Datei abgelegt. Super.

Aber wenn wir die Daten als Hex-Infos abspeicherten, waren die CR-LF-Kombinationen mit dabei.

Also schnell ein kleinen PERL-Progrämmelchen gehackt, und schon waren die Daten so, wie wir sie brauchten.

Damit habe ich dann gleich mal die ersten Kapitel des Atari-Buchs als Textdatei eingestellt. Hier könnt Ihr das Ergebnis sehen.