Der zweite Tag

Hauptkategorie: 8-Bitter
Erstellt: 23 Oktober 2011
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Einige Wochen stand die JD nun bei Marc in der Ecke und wartete auf ihre Reparatur. Endlich ist mal wieder Wochenende, die Doku habe ich in der Hand, Marc und ich haben Zeit und Robert schaut auch mal vorbei.

Das Netzteil der Maschine ist dreigeteilt: +5V, +12V und -12V sind angesagt - völlig gewöhnlich für die Rechner der damaligen Zeit. Ungewöhnlich ist der Strombedarf: +5V mit 5A, die +12V sollen 3,3A liefern. Dafür hat Panasonic damals schon Schalt-Netzteilfunktion eingebaut (allerdings sekundär geschaltet). Nur die -12V sollen lediglich 0,1A liefern und wurden mit einem "normalen" Längsregler 7912 bestückt.

Und die -12V funzen, wenigstens etwas. Auch die Sekundärspannungen des Trafos sehen gut aus, wenn man das Netzteil abkoppelt. Na, hoffentlich sind die beiden Schalt-ICs nicht defekt, die würde es heute wahrscheinlich gar nicht mehr als Ersatzteil geben.

Aber meistens sind ja die Elkos das erste, das kaputt geht: Jep: Es befinden sich laut Schaltplan 3 Elkos zwischen Trafo und Regelung. Der dickste direkt hinter der Gleichrichtung, die beiden anderen direkt vor den Chips zur Regelung. Elko Nummer eins ausgelötet, an ein Billignetzteil angeschlossen (6V/0,4A von irgend einem Altgerät): 0V → Super, Treffer, das Ding ist hinüber.

Also kurz das Netzteil angeschaltet, jetzt darf es ja (zumindest ohne Last) wieder laufen, denn der defekte Elko liegt auf dem Tisch: Frust, denn es kommt immer noch nix .

Reparatur am offenen Herzen
Also machen wir uns auf die Suche nach den beiden anderen Elkos, die vor der Steuerung liegen. Jetzt erkennen wir die Unterschiede zwischen der Doku (JD-700M) und der Realität (JD-740U): Die Bestückungspläne und auch der Schaltplan sind nicht direkt in Übereinstimmung. Aber immerhin so ähnlich, dass wir locker weitermachen können.

Den +12V-Zweig konnten wir inzwischen ausschließen, denn die Verbindung zwischen Gleichrichter und 12V-Teil wird durch zwei dicke Leitungen hergestellt, und die sind jetzt ausgelötet: Erst mal Konzentration auf die +5V. Notfalls finden wir ein +12V/40W-NT als Billigheimer auf dem Markt.

Nach drei weiteren, mühsam ausgelöteten Elkos (die alle OK waren), bleiben nur zwei Möglichkeiten:

  1. der Chip für die +5V-Regelung ist defekt
  2. Der Gleichrichter ist hin

Warum kann das sein? Die -12V haben einen eigenen GR vor derm 7912, nur die beiden defekten Spannungsteile laufen über denselben GR. Also entlöten wir vorsichtig den Postiv-Ausgang des GR und schalten das Netzteil ein: Bingo, Kurzer!

Das zerpflückte Netzteil
Jetzt beginnt die große Bastelei, denn Panasonic hat zumindest die Mechanik für die Ewigkeit gebaut: Alle Regler und der GR sind am Kühlkörper befestigt, das "große Schrauben" geht los.

Im Bild links seht Ihr rechts oben den Kühlkörper. Die vier weißen Stellen sind die Leitpaste für die beiden Regler, den GR und einen Leistungtransistor.Gleichrichter und Elko sind defekt

Nachdem wir den GR komplett ausgebaut haben, schließen wir unser Testnetzteil statt des GR an die ungeregelten +/- Eingänge an  - und siehe da, ziemlich genau +5V wo sie hingehören.

Nachdem Marc die Verbindung der 12V-Regelung an den GR-Ausgang wieder angelötet hat, kommen auch da ca. 6V heraus. Naja, zaubern kann das Netzteil offensichtlich noch nicht.

Hier sind sie, die beiden Übertäter:

Schnell die Teile bestellt (und noch ein paar Messleitungen, das Zeug von Marc ist reichlich kaput und mein Analog-Messgerät musste ich vor ein paar Jahren leider entsorgen) und schon dürfen wir wieder etwas warten...