Der vierte Tag - Einkauf, Basteln und Test

Hauptkategorie: 8-Bitter
Erstellt: 23 Oktober 2011
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So, in dieser Woche fällt die Entscheidung: Entweder wir bekommen das Netzteil jetzt zum Laufen, oder im Ebay wird ein gebrauchtes Teil beschafft. Meine Erfahrung hat mich aber folgendes gelehrt: Wenn ich genügend Ersatzteile vorrätig habe, spürt die Hardware, dass es gar keinen Sinn hat kaputtzugehen und bleibt deshalb heile. Woher die Hardware das weiß, habe ich leider nie in Erfahrung bringen können.

Aber mit dem Ansatz gehe ich einkaufen: Jeweils 1-2 Kondensatoren mehr, als ich wirklich brauche. Und einen 4.700µF Kondensator braucht man ja sowieso immer mal wieder...

Nebenbei ist auch eine neue Entlötpumpe für unter 4€ fällig, denn die alte verstopft jetzt seit 30 Jahren, und irgendwann ist mal gut.

Das treibt die Investition auf inzwischen lockere 50€, aber der Messleitungssatz und die Entlötpumpe (Σ20€) dürfen sich gerne in weiteren Projekten dieser Art amortisieren, und für das Porto für die erste Lieferung kann ich ja schließlich auch nichts.

Das Übersichtsbild

Genug der Ausreden.

Die Teile werden bei einem Besuch eines recht bekannten Elektronik-Shops (dem mit dem Großen C) in Mainz erledigt. Da ich jetzt immerhin schlapp 25 Jahre nicht mehr in solchen Läden war, fällt mir so manches auf: Das Einkaufen von Einzelteilen ging früher schon nicht besonders flott, aber durch Einsatz modernster IT-Infrastruktur kann man den Prozess erheblich verlangsamen. Aber dazu schreib ich vielleicht später mal eine andere Seite.

Samstag

Jetzt geht das große Basteln wieder los. Nachdem mir die Kollegen am Freitag in der Firma viel Erfolg für das Projekt gewünscht haben und genug Ersatzteile herumliegen, muss das ja jetzt gehen.

Die beiden fehlenden Elkos sind schnell eingelötet. Außerdem hatte ich anfangs die Gerätesicherung im ersten Antritt gegen eine viel zu hohe ausgetauscht (6,3A gegen 2,5A), das macht Marc wieder mit einer neuen Sicherung rückgängig.

Aufgrund der Erfahrung insbesondere vom dritten Tag könnte es theoretisch jetzt wieder an irgend einer Stelle des Netzteils qualmen oder blitzen. Um besser nachvollziehen zu können, an welcher Stelle es nun wieder kracht, kommt Roberts Kamera in Verbindung mit einem alten Stativ meines Opas zum Einsatz: Alles wird dokumentiert.

Strom an - und? Seht selbst unten!

Bei der Beobachtung ergeben sich ein paar Diskussionen um Disketten. Wer wissen will, wo der Unterschied zwischen soft- und hardsektorierten Disketten ist und was Anette zu dem ganzen Thema meint, darf gerne bis zum Ende zuhören.

Ohne Last bzw. mit Anschluss der beiden Diskettenlaufwerke verhält sich das Netzteil erst mal so, wie es soll.

Anette schaut auch mal rein - eigentlich hollt sie nur was aus dem Keller, kann sich einen Kommentar zu uns beiden aber nicht verkneifen.

Lasttest

In der Firma frage ich manchmal nach Lasttests und warum sie nicht gemacht würden. Also will ich hier mal mit gutem Beispiel voranschreiten und überzeuge Marc, dass wir erst mal dem Netzteil ein wenig Strom entlocken müssen und dabei nachmessen, ob die Versorgungsspannungen einknicken.

Nach kurzer Diskussion steht fest, dass wir sowohl die -12V testen wollen (max 0,1A) als auch die +5V (die mit 5,3A angegeben sind, aber wir meinen, 1A würde auch erst mal reichen. Wenn sich dann noch ein Elko verabschieden möchte, darf er es gerne dabei tun oder für immer funzen).

Jetzt geht die Rechnerei los, erst mal für die -12V: Bei 0,1A (Marc weiß  noch: R = U / I; da soll mal einer sagen, man würde in der Schule nichts für's Leben lernen!) heißt das 12Ω. Was er vergisst, ist die andere Formel: P = U * I, also die Leistung, die der Widerstand abfackeln muss. Aber der Papa denkt dran...

Da ich mal eine Kleinserienfertigung von RAM-Karten hatte, habe ich noch ein recht gut sortiertes Widerstandssortiment. Aber wer hat schon 12Ω mit 1,2W im Schrank? Ich jedenfalls nicht. Also muss Herr Kirchhoff herhalten, der sich vor längerer Zeit Gedanken gemacht hat, wie sich der Gesamtwiderstand bei Serien- oder Parallelschaltung von Widerständen berechnen läßt. Hier brauchen wir das 1. Kirchhoff'sche Gesetz der Parallelschaltung: 1 / Rges = Σ (1 / Ri).

Hmmm. Wir wollen nicht an die Maximalgrenze von 0,1A herangehen und wir haben eine Menge an 470Ω-Widerständen. Wenn wir 3 parallel schalten, bekommen wir 157Ω Gesamtwiderstand. Das ergibt einen Strom von 76mA, also 3/4 der Maximallast. Wieder eine clevere Frage von Marc, die zum Nachdenken anregt: Warum drucken die eigentlich nicht den Widerstandswert in Zahlen auf, sondern in Farb-codierten Ringen? Ähhh... Schnelle Ausrede: Was machen die Chinesen mit unseren Zahlen? Was ich nicht beantworten kann ist, warum der schwarze Ring inzwischen braun ist...

Es stimmt wirklich, Widerstände wurden schon damals "am Meter" verkauft, denn diese "Batterien" konnte man damals schon super in Bestückungsautomaten einspannen. Wie man sowas zusammenlötet, könnt Ihr hier bewundern:

OK, angeschlossen. Die -12V zucken nicht mal, der Strom fließt auch wie vorher ausgerechnet.

Also machen wir uns an die +5V. Zunächst mal rechnen: Wir wollen so ca. 1A (also etwa 1/5 der Maximallast) aus dem NT herauskitzeln. Wenn das geht, geht auch mehr.

5V bei 1A sind 5Ω. Aber 5V * 1A sind leider auch 5W. Naja, wo es eine Menge 470-Öhmer gibt, schlummern auch noch 100Ω-Meter herum. Yep, da sind sie. Aber 20 Widerstände zusammenlöten? Das dauert. Aber da läßt sich doch was tricksen, oder? Na klar: Wir machen uns einen "5Ω-Bonbon":

Der 5Ohm-Bonbon - schnell getricks

Marc staunt: Nicht unbedingt schön, aber hoch funktional. Da löten wir noch zwei Leitungen an und verstöpseln sie mit dem 5V-Anschluss. Oops, am R-Bonbon liegen nur 4,8V an! Nach kurzer Zeit wissen wir, dass ca. 0,8A durchfließen. Macht unser NT jetzt schon schlapp? Wir schauen uns an, dann keimt ein Verdacht auf: Was, wenn unsere Leitungen von und zum Bonbon ein wenig zu dünn sind? Also schnell direkt am NT nachgemessen, da liegen ordentliche 5V. OK, Verdacht bestätigt sich. Versehentlich komme ich an die Widerstände - autsch! 5W können auf so engem Raum ganz schön warm werden. Aber egal, der Bonbon hat seinen Dienst getan. Den 100Ω-Beschriftungen traue ich nach der Radikalkur eh nicht mehr, ab in die ewigen Jagdgründe damit.

So, jetzt wird es richtig spannend: Wir können nichts mehr testen, außer der Realität. Nach Test schnell - hops - in Produktion, das ist ja wie in der Firma...

Zunächst mal bauen wir die Kamera um. Dass das Netzteil jetzt noch hoch geht, halten wir für unwahrscheinlich. Das Motherboard ist mit den Chips nach unten unter dem Rechner eingebaut, das können wir nicht filmen. Und wenn da was hoch geht, dürfte es sich nur um einen Tantal-Elko handeln (das sind die niedlichen kleinen blauen Erbsen), und wenn die Dinger kaputt gehen, hört, riecht und sieht man das.

Die nächste Frage von Marc kommt auf: Hieß das damals schon Motherboard?

Urgks, mal wieder eine gute Frage. Naja, ich glaube nicht. Aber wie hieß das damals? Irgendwie so ähnlich. Aber halt, wir haben ja die Doku von Georg. Da finden wir: PCB = Processor Control Board. Auf dem Weg zum Mittagessen (deshalb war Anette vorhin noch mal kurz bei uns!) erkläre ich Marc, dass PCB heute eigentlich Process Control Block heißt und im Betriebssystem zur Verwaltung der verschiedenen Prozesse dient. Aber dieses Problem hatte CP/M damals noch nicht, das kam erst mit MP/M auf.